ALKOHOLARME WEINE AUF DEM VORMARSCH, nur aus der Not heraus? Oder eine echte kulturelle Revolution?
Heute sprechen wir über ein Thema, das all jenen sehr am Herzen liegt, die wie ich Wein lieben und sich häufig mit den immer strengeren Einschränkungen auseinandersetzen müssen, die die Straßenverkehrsordnung beim Blutalkoholgehalt vorschreibt.
Ohne auf die Frage der Rechtmäßigkeit der gesetzlichen Grenzen einzugehen, werden wir interessante Neuigkeiten aus der Weinwelt entdecken.
Einige Weingüter versuchen nämlich, den durch diesen Faktor bedingten Konsumrückgang einzudämmen, indem sie eine echte Weiterentwicklung anbieten: alternative Produktlinien mit einem niedrigeren volumetrischen Alkoholgehalt (TAV) zwischen 10 und 11 % TAV, um den Bedürfnissen der Verbraucher entgegenzukommen.
Nach enormen Anstrengungen beginnt der Markt positiv zu reagieren, auch dank großer Werbekampagnen für die Einführung eines recht „ungewöhnlichen" Weinprodukts – noch vor wenigen Jahren undenkbar –, bei dem aus qualitativer Sicht oft Zweifel aufkommen.
In diesem Zusammenhang gibt es verschiedene Techniken zur Herstellung alkoholarmer Weine, auf die wir heute kurz eingehen werden.
Alle sind sehr anspruchsvoll und aufwändig und beginnen bereits bei der Bewirtschaftung des Weinbergs bis hin zur Vinifikation.
Im Weinberg geht man etwas gegen den Trend jener Techniken, die auf die Erzielung eines Qualitätsprodukts ausgerichtet sind.
Die Wahl der Rebsorte fällt auf früh reifende Sorten mit vorverlagerter Lese; das Ziel ist es, Trauben zu erhalten, die nicht besonders zuckerreich sind – also bereits frühzeitig mit längerem Schnitt, reduzierter Düngung und erhöhtem Ertrag pro Pflanze zu arbeiten, kurz gesagt eine Reihe von Maßnahmen, die alle dem gleichen Hauptzweck dienen.
Im Keller werden Dealkolisierungstechniken angewandt. Diese wurden 2009 durch eine EU-Verordnung zugelassen, die die teilweise Dealkolisierung von Weinen als zulässige Technik einführt.
Dies ist zweifellos der zuverlässigste und von den Erzeugern bevorzugte Weg, da er besser kontrollierbar und erprobt ist.
Das Verfahren wird bereits beim Klimawandel eingesetzt, wenn die Trauben einen übermäßig hohen Zuckergehalt aufweisen und zu alkoholreiche Weine erzeugen.
Eine weitere häufig angewandte Technik ist die Umkehrosmose mit Membran.
Dabei wird die Weinmasse fraktioniert und teilweise vom Alkohol getrennt; in dieser Phase muss darauf geachtet werden, nicht auch jene Komponenten zu entfernen, die für das organoleptische Profil des Weins wichtig sind – deshalb werden hochmoderne und sehr kostspielige Maschinen eingesetzt.
Ich würde sagen, dass auch alkoholarmer Wein gut sein kann, sofern alle erforderlichen Verfahren eingehalten werden und alle Beteiligten – vom Winzer bis zum Önologen – an einem Strang ziehen.
Besonderes Aufsehen erregte beim letzten Vinitaly das Unternehmen Princess, das erste in Italien, das dealkolizierten „Wein" mit einem Alkoholgehalt von 0,0 % produziert – der streng genommen nicht als solcher bezeichnet werden darf, sondern als aromatisiertes alkoholfreies Getränk auf Weinbasis, in anderen Ländern schlicht als Alkohol-Free-Wine bekannt –, eine wirklich interessante Idee, die in islamischen Ländern, wo Alkohol verboten ist, offenbar enormen Anklang findet.
In diesem Zusammenhang hatte die Cantina Tollo mit ihrem Sei% eine innovative Idee: ein Wein mit sehr niedrigem Alkoholgehalt von 6 % TAV. Die Technik besteht in einer teilweisen Gärung des Mostes, gefolgt von einer kaltpräfermentativen Maischung und einer bei sehr niedrigen Temperaturen gestoppten Teilgärung, schonender Pressung und steriler Filtration. Der Wein gärt bei einer kontrollierten Temperatur von 15 °C und reift anschließend in Stahltanks und danach in der Flasche.
Typ: Rotwein
Rebsorten: Montepulciano d'Abruzzo 75% - Merlot 25%
Herkunftsgemeinde der Weinberge: Tollo und Giuliano Teatino
Erziehungsform: Tendone
Erntezeitraum: Zweite Septemberwoche
Alkoholgehalt: 6 % vol.
Vinifikation: Teilweise vergorener Most aus roten Trauben
Gärtemperatur: 15 °C
Ausbau: Edelstahltank und Flasche
Serviertemperatur: 8–10 °C
Wir haben ihn natürlich für euch verkostet!
Der Wein präsentiert sich in einem zarten Rotton mit violetten Reflexen.
In der Nase intensiv fruchtig mit roten Früchten: Erdbeere, Kirsche sowie Waldfrüchte, Brombeere und Heidelbeere.
Am Gaumen leicht, weich, frisch und fruchtig mit einer schönen Lebendigkeit.
Es ist ein leicht trinkbarer Wein, der sich problemlos kombinieren lässt: Er passt hervorragend zu Pizza, zu einem Sandwich oder einem Nudelgericht – kurzum zu einem schnellen und unkomplizierten Essen sowie bestens zu Aperitifs.
Übrigens werden diese Weinsorten immer häufiger als Zutaten für echte Cocktails verwendet – die beliebten Sparkling Drinks –, die man ganz unkompliziert genießen kann.
Angesichts des Klimawandels, der Einschränkungen beim Alkoholkonsum und der Marktanforderungen habe ich das Gefühl, dass die Forschung und Erprobung dieser Techniken weitergehen wird. In jedem Fall sollte die Qualität des Produkts niemals aus den Augen verloren werden – mein Rat lautet: Ja, mit Maß trinken, aber vor allem stets und ausschließlich Qualität.
Immer noch besser als alkoholfreies Bier!





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