Traum eines Frühsommerbeginns
Die Erinnerungen an meinen letzten Aufenthalt in den Marken haben sich gewiss zahlreich in meinem Gedächtnis eingeprägt, doch wenn ich diese Reise mit einem Wein verbinden müsste, wäre es ohne Zweifel der Verdicchio: Einerseits hat mich die Vielfalt der Eigenschaften beeindruckt, die diese Rebsorte je nach Vinifikationstechnik zu bieten weiß, andererseits hat mich begeistert, wie hervorragend sich diese Weine mit der ebenso abwechslungsreichen lokalen Küche verbinden.
Auch wenn es stimmt, dass der Verdicchio außerhalb dieses Gebiets keine besonders herausragenden Weine hervorzubringen vermag, steht fest, dass er auf marchigianischem Boden große Freude bereiten kann – sowohl in der Classico- als auch in der Riserva-Version: Die erste zeigt die große Struktur, die diese Rebsorte ihren Weinen verleihen kann, verbunden mit der Frische, die ihr Markenzeichen darstellt; die zweite präsentiert eine ungewöhnliche Komplexität, geschenkt durch die Reifung, sowie eine Weichheit, die stets durch die Säurekomponente – diskreter als in der Basisversion, aber dennoch vorhanden – im Gleichgewicht gehalten wird.
Unter allen Weinen, die unsere Abende zu Beginn des Sommers begleitet haben, verdient der Salmariano Castelli di Jesi Verdicchio Classico Riserva 2010 von Mariotti Campi besondere Erwähnung – ein Wein, den ich auch aufgrund seines hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnisses empfehlen möchte.
Sein Farbe Strohgelb mit schönen goldenen Reflexen und die unverkennbare Dichte erzählen ein wenig von seiner Geschichte und geben erste Hinweise auf das, was dieser Wein zu bieten hat.
In der Nase bietet der Salmariano das Beste seines Repertoires: Intensität und Komplexität mit Aromen von Tropenfrüchten sowie Weißdorn- und Akazienblüten auf einem würzigen Untergrund aus Vanille, begleitet von einer schönen mineralischen Note von Feuerstein.
Am Gaumen zeigt er eine schöne Würzigkeit, die zusammen mit einer diskreten Säurekomponente die ausgeprägten alkoholischen Eigenschaften und die Weichheit ausbalanciert und dem Wein ein hervorragendes Gleichgewicht verleiht.
Intensiv, anhaltend und fein, ist der Salmariano als ausgereift in seiner Entwicklung zu betrachten und zweifellos harmonisch.
Was die Speisebegleitung betrifft, gibt es reichlich Auswahl, doch ich bin der Meinung, dass ein angemessen würziger spaghetto allo scoglio die ideale Wahl darstellen könnte.





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