Italien ist ein Land in Schwierigkeiten, trotz allem, was Politiker erklären mögen, die sich auf Indikatoren stützen, die auf Daten aufgebaut sind, deren Ursprünge und Berechnungsgrundlagen oft nicht nachvollziehbar sind.
Italien ist ein Land reich an Geschichte und Erfolgen, aber auch ein Land reich an „Geschichten".
Geschichten von Einwanderern, die vor unseren Küsten oder auf dem Territorium gestorben sind, Geschichten von Politikern, die das Unglück anderer ausnutzen, Geschichten von denen, die den falschen Weg einschlagen und in den Strudel illegaler Aktivitäten geraten; dann gibt es die Geschichten junger Italiener, die trotz beeindruckender Lebensläufe keine stabile Arbeit finden können, die zu jung sind, um Verantwortung übernehmen zu dürfen, und morgen zu alt sein werden, um in Unternehmen zu bleiben, Geschichten junger Menschen, die ins Ausland gehen und dort Erfolg haben – Braindrain nennt man das –, Geschichten von Vätern und Müttern, die Schwierigkeiten haben, ihre Kinder zu ernähren, Geschichten des Hasses von denen, die verblendet durch Unwissenheit, „den Fremden" beschuldigen, der kommt um ihnen die Arbeit zu stehlen, dabei vergessen sie auch die Geschichte eines Volkes – des italienischen –, das selbst oft ins Ausland gegangen ist, um sein Glück zu suchen.
Heute aber werden wir die Geschichte von Paola erzählen, die in diesem Umfeld lebte und im Weinberg arbeitete.
Die Geschichte von Paola beginnt mit einem Wecker um zwei Uhr nachts, 157 Kilometern im Kleinbus mit müden Augenlidern und ein paar Gesprächen mit den Kolleginnen.
Am Arbeitsplatz angekommen ist die Hitze enorm, die Erschöpfung ebenso, und in jenem Weinberg, in einem Betrieb in Andria, gibt Paola nach und bricht zusammen: nichts mehr zu machen.
Zur Arbeit ausgegangen, tot zurückgekehrt – ein Herzinfarkt oder „Mehr als das, sie wurde von der Erschöpfung niedergestreckt", sagt die regionale Flai Cgil.
Keine Ermittlungen, keine Autopsie: „Sie wurde sofort zu einem Geist, ohne dass die Nachricht wochenlang durchsickerte. Es scheint, dass die Frau das Krankenhaus nie erreicht hat. Der Leichenwagen hat sie direkt vom Feld in die Kühlzelle des Friedhofs gebracht. Sie wurde am nächsten Tag mit der Freigabe des diensthabenden Richters begraben. Der Staatsanwalt ist nicht zum Tatort gefahren, weil, laut Auskunft der Polizei von Andria, das Gutachten des Rechtsmediziners lautet, dass es sich um einen natürlichen Tod gehandelt habe, vielleicht ein Unwohlsein durch übermäßige Hitze", erklärt Giuseppe Deleonardis, regionaler Sekretär der Flai.
Es gibt keinen Aufruhr, obwohl zahlreiche Frauen – etwa 6000 jede Nacht – aufbrechen, um in den Weinbergen zu arbeiten: Die Menschen haben Angst, ihre Arbeit zu verlieren; wir sind nicht in der Dritten Welt, wir sind in Italien.
Paola kam aus einer von Ilva geplagten Region, seit fünfzehn Jahren schuftete sie zwischen den Rebstöcken; sie hat uns in der Phase der Acinellatura verlassen, auf die nach ein paar Wochen die manuelle Ernte und das Einlegen in Kisten gefolgt wäre.
Fünfzehn Jahre Arbeit, mindestens sieben Stunden Tätigkeit, 40 Grad, 27 Euro: Tschüss Paola, möge dir die Erde, wenigstens diese, leicht sein – leichter als jener Mühlstein, den du seit Jahren getragen hast.
Wir sind die Sklaven der neuen Ära, jene ohne Ketten.





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